Naturnaher Zipfelbach:

So wollen Fische leben

Fast 18 Kilometer hat der Zipfelbach zurückgelegt, ehe er bei Poppenweiler, kurz vor den Zugwiesen, in den Neckar mündet: Auf Winnendener Gelände entspringt er und führt das Wasser von fast einem Dutzend kleinerer Bäche bis an den "Strom der Schwaben". Die letzten 250 Meter des Zipfelbachs waren bis in die 1990er-Jahre in einem künstlichen Bett kanalisiert – seither verläuft der Bach wieder so, wie es im dicht besiedelten Neckartal als natürlich gelten kann.

Für den "Grünzug Ludwigsburger Neckar" war die Zipfelbach-Aktion von 1996 der Start in eine ambitionierte Zukunft. Auf einer überschaubaren Strecke sollte in der Praxis demonstriert werden, wie naturnaher Flussbau funktioniert und welche Erfolge sich innerhalb kurzer Zeit erzielen lassen. Fazit: Das wieder hergestellte Flussbett kann Hochwasserschübe viel besser verkraften als der frühere Kanal, für Fische und andere Wassertiere und auch Pflanzen wurden hervorragende Zustände geschaffen und noch dazu entstand ein Gebiet, das für den behutsamen Besucher besonders eines ist: Einfach schön.

Anstatt in einer strikten Linie Wasser in den Neckar zu leiten, verläuft die letzte Partie des Zipfelbachs ab der Poppenweiler Kläranlage nun wieder in beherzten Schlangenlinien. In den kleineren und größeren Kurven gibt es viele ruhige Wasserbereiche – für Fische der ideale Lebensraum. Tests von Gewässerexperten und Biolgogen haben bestätigt, dass hier heimische Fische siedeln, die neben dem Zipfelbach auch den Neckar als "ihr Gewässer" nutzen.

Viele natürliche Baumethoden, die am Zipfelbach angewandt wurden, kamen auch an den späteren Grünzug-Baustellen direkt am Neckar zum Einsatz: Abgeschlagene Hölzer und Matten aus Naturfasern befestigten die neu gestalteten Oberflächen, bis standortgerechte Pflanzen die Sicherung des Ufers aus eigener Kraft übernehmen konnten. Selbst in Extremzeiten, wenn der Zipfelbach und seine Zuflüsse besonders viel Wasser zum Neckar bringen, hält das von Menschen gestaltete, naturnahe Ufer bestens.